Tag 4: Hamburg – Lübeck – Wismar und viel Pech mit der Bahn

Für heute war eigentlich ein Strandtag angedacht, deshalb hatte ich die Übernachtung in Wismar gebucht. Allerdings ist für den ganzen Tag Regen bei knapp 18 Grad angesagt, nur in England schwimmt man im Meer bei dem Wetter. Also entscheiden wir uns den Umweg über Lübeck zu nehmen, von der Stadt haben alle so geschwärmt. Die Fahrt soll auch nur 45 Minuten dauern, das geht ja. Aber wie immer kommt es anders. Wir erreichen gut den Zug, der au h schon wartet. Ich bin schon ein wenig irritiert, weil die DBApp anzeigt, dass der Halt dieses Zuges entfällt und dieser nicht mehr fährt – wegen Brückenschäden auf der Strecke. Also alle müssen aussteigen. Eine nichtdeutschsprachige ältere Frau (ich tippe auf Ukrainerin) ist völlig verwirrt und will auch nach Lübeck. Es gibt sogar einen Ersatzzug, der über Büchen fährt und das in den nächsten 5 Minuten. Wie alle anderen aus dem Zug nach Lübeck hetzen wir zu dem Zug, erreichen ihn gerade und bekommen sogar einen Sitzplatz. Die Frau haben wir auch mit reingelotst. Allerdings dauert die Fahrt mindestens 50 Minuten und dann müssen wir in Büchen umsteigen. Büchen ist ein kleiner Bahnhof in the middle of nowhere. Allerdings gibt es einen Bäckerladen auf dem Bahnsteig, das Frühstück mit Franzbrötchen ist also gesichert. Und dann fahren wir von Gleis 140 (kein Witz, es gibt die Gleise 1, 2, 40, 41 und 140) in einem Wagen nach Lübeck. Und ich sage noch „140 ergibt Bahntechnisch gar keinen Sinn.“ Aber ist so.

Die Fahrt ist nicht schön, obwohl sie nicht so lang ist. Völlig überfüllt, dicht gedrängt stehend, einige sehr renitente ältere Herrschaften mit dicken Wanderrucksäcken auf dem Rücken, eine Bahnfahrt wie man sie sich nicht wünscht. Na ja, geht auch vorbei. Endlich in Lübeck. Aus der 45 Minuten Fahrt ist eine 2h-Fahrt geworden.

In Lübeck verstauen wir das Gepäck im Schließfach, holen Bargeld und machen uns auf den Weg zum Wahrzeichen Lübecks: das Holstentor. Dabei kommen wir an Bismarck und Kaiser Wilhelm den I. vorbei und über die Puppenbrücke. Und wieder gibt es andere Ampeln.

Weiter geht es Richtung Altstadt, mit einem kurzen Abstecher in die St. Petri Kirche. Die erste Kirche ohne Bänke, die ich gesehen habe. sehr spartanisch das ganze.

Weiter geht es zum Marktplatz. Der ist echt beeindruckend und sehenswert und auch gerade sehr belebt – es ist Markttag. Für Tamara und mich gibt es wieder Fischbrötchen (mit kaltem Backfisch und nur einem Blatt Salat schmeckt es Tamara aber nicht besonders), nur für Sarah finden wir noch nichts. Der Crêpes-Stand ist heute woanders. Also suchen wir weiter was Süßes für sie.

Es gibt eine große Portion (teures) Eis und noch einen kleinen Bummel durch die Innenstadt. Sehr nett, wirklich. Doch dann machen wir uns auf den Weg zurück zum Hauptbahnhof, der nächste Zug Richtung Wismar geht in 30 Minuten. Am Kohlmarkt ist eine zentrale Bushaltestelle und wir haben schon einen Bus herausgesucht. Sarah braucht noch einen Moment mit dem letzten Eis, ein kurzer Spurt und wir möchten mitfahren. Nur dürfen wir nicht. Die hinteren Türen sind schon zu, als wir ankommen, wir müssen vorne einsteigen. Die Fahrausweise werden hier streng kontrolliert und der Fahrer akzeptiert nicht, dass die Tickets der Kinder im Bahnhof mit den Rucksäcken eingeschlossen sind und schmeißt uns wieder raus. Also heißt es laufen. Tamara schimpft wie ein Rohrspatz – sie fühlt sich ungerecht behandelt, da der Busfahrer nicht alle kontrolliert hat. Aber was soll’s, wir wollen ja zum Zug. Also Füße in die Hand und zum Bahnhof. Das klappt auch rechtzeitig. Mit kompletten Gepäck stehen wir rechtzeitig auf Gleis 1, wo der Zug planmäßig abfahren soll. Spontan wird der Zug aber auf Gleis 7 umgeleitet! 2 Minuten vor Abfahrt. Also wieder die Treppen hoch und bei Gleis 7 runter. Den Zug bekommen wir auch noch. Er ist aber auch voll. Netterweise bringt ein Herr meinen Rucksack und einen Koffer auf den hier großen Gepäckablagen unter. Tamaras Koffer ist zu groß, passt aber unter die Sitze. Und wir können alle drei sitzen. Läuft doch. Nur noch einmal umsteigen in Bad Kleinen. Kleiner Bahnhof, aber bunte Fenster. Immerhin. Um kurz nach zwei sind wir in Wismar.

Mit dem Gepäck nehmen wir den Bus, müssen aber nur 2 Haltestellen weit fahren. und ein wenig über Kopfsteinpflaster rollern. Schon sind wir in der Pension angekommen. Hier ist keiner an der Rezeption, die ist nur morgens von 8 bis 10 besetzt. Es gibt eine ausführliche Beschreibung, wie man erst den Türcode eingeben soll und dann an den Schlüssel kommt. Nur – auf dem Tastenfeld gibt es gar kein c (um c + 4 Zahlen) einzugeben. Ich probiere es ohne das c und voilà, die Tür ist auf. 2 enge Treppen nach oben und wir stehen wieder vor verschlossener Tür. Hier muss man bei einem Zahlenschloss die Zahlen eingeben und kann dann ein kleines Fach mit dem Schlüssel öffnen. Endlich drin. Da kommt in dem Moment die Nachricht, dass der Haustürcode jetzt ohne das c ist. Hmm, schon herausgefunden.

Das Appartement ist nett. Ein bisschen ausruhen und dann geht es in die Wismarer Altstadt. Wir sind gespannt. Immerhin ist Wismar Weltkulturerbe (wie auch schon Lübeck). Und die Altstadt ist wirklich schön und sehenswert. Schöne alte Häuser, ganz andere Anmutung alls die Städte davor, wir sind alle drei begeistert. Sarah kürt Wismar schnell zu ihrem Liebling.

Nach der Altstadt geht es zum Hafen. Dort wollen wir etwas essen. Und da es auch gerade ordentlich zu regnen anfängt, nehmen wir eines der ersten Lokale. Das hat auch eine sehr gute Beschreibung und Sarah bekommt etwas anderes als Fisch. Sie braucht mal wieder etwas Fleisch. Scholle und Dorsch sind aber auch sehr lecker.

Ein Spaziergang durch den alten Hafen – der Regen hat sich wieder verzogen – rundet den Tag ab. Wir beobachten das Antäuen eines Segelschiffes (heißt das so?) und genießen die gute Ostseeluft. Danach geht es nach Hause. Die Mädels gehen relativ direkt ins Appartement, ich schlendere noch ohne Markt durch die Altstadt (und suche einen Briefkasten).