Tag 6: Berlin – vom Tempelhofer Feld bis zur Love Parade (Rave, Demo, what ever)

Die Mädels schlafen ein wenig länger heute. Wir sind auch erst um 11Uhr mit M verabredet. Eine alte Arbeitskollegin wohnt hier und will uns ein. Wischen von ihrem Berlin zeigen. Wir fahren vom Prenzlauer Berg nach Neukölln. Dort treffen wir uns an der ausgemachten Ecke und schlendern erstmal über einen kleinen Wochenmarkt. Die Mädels essen Käsekuchen (sehr lecker) und ich frühstücke eine portugiesische Teigtasche. Wir werden auf die kleine Kunst auf der Straße aufmerksam gemacht. Auf einigen Straßenschildern sind kleine Figuren in Yogapositionen angebracht. Sehr niedlich. Diese bleibt aber die einzige Figur, die wir finden.

Das Tempelhofer Feld als Panorama – die Weite kommt kaum zum Tragen

Gestärkt geht es zum Tempelhofer Feld. Der alte Tempelhofer Flughafen wurde nach der Aufgabe des Flughafens nicht wieder bebaut, sondern so gelassen wie er war. Mit Start- und Landebahnen, und den alten Gebäuden. Dies ist nun eine riesige Freifläche unten in der Stadt, die allen Bürgern zur Verfügung steht. Radfahren, inlineskaten, Schrebergärten, Hundewiesen, ein kleines Naturschutzgebiet mit Feldlerchen, Grillplätze und einfach Platz zum Bewegen – der Flughafen wird vielseitig genutzt. Und bot zu Corona-Lockdown-Zeiten die Möglichkeit zum Bewegen. Informationen über die Luftbrücke und Rosinenbomber gibt es auch noch. Sogar die Lande-Lichter stehen noch. Durch einen Bürgerbeschluss wurde die Bebauung auch in Zukunft verhindert. M erzählt so einiges aus der Geschichte der Stadt.

Wir trinken noch ein Getränk im Prinzessinnengarten und unsere Wege trennen uns wieder. M fährt zum Fußballspiel, wir machen uns auf zum Maybachufer. Samstags ist dort immer Stoffmarkt und Wochenmarkt gemischt. Ich finde tatsächlich Korkstoff zum Schnäppchenpreis, den ich nicht liegen lassen kann. Außerdem muss das so sein, genau als wir bei dem Stand sind, kommt ein Guss runter, so dass wir uns unterstellen müssen. Bei den Mädels macht sich der Hunger breit und wir kehren beim Kaffee am Markt an der Ecke zur Schönleinstrasse ein. Das ist allerdings in türkischer Hand und so gibt es neben Flammkuchen und Nudeln auch ein türkisches Schmorgericht. Und verschiedene Vorspeisen. Ersteres ist lecker, die Vorspeisencremes haben Luft nach oben. Aber wir werden satt. Beim nächsten Mal werden wir aber eher versuchen, in die Ankerklause zu kommen. Die ist eine Ecke weiter zur Spree hin. Satt machen wir uns wieder auf den Weg.

Der nächste Tipp ist aus Tamaras neuem Buch und auch M hat es uns ans Herz gelegt: die East Side Gallery. Ein Stück der Berliner Mauer steht noch und wurde von Graffiti-Künstlern bemalt. Der erste Teil der Tour verläuft ruhig. Die letzte Busfahrt aber ist der Hammer. Dass so viel Leute in einen Bus passen, ein Wunder. Und alle steigen bei der East Side Gallery aus. Endlich wieder Luft.

So wirklich überzeugen können uns die Graffiti-Werke aber nicht. Deshalb gibt es auch nur wenige Bilder. Und Sarah wird es allmählich auch zu viel mit der innerdeutschen Geschichte.

Am Ende der East Side Gallery liegt die Oberbaumbrücke. Dort bummeln wir drüber und überlegen, was wir noch machen.

Sarah hat genug und so bringen wir sie zurück zum Hostel. Sie bleibt dort und Tamara und ich machen uns noch mal auf den Weg.

Der Plan ist eigentlich mit dem Bus 100 vom Alex zu Bahnhof Zoo zu fahren. Die Fahrt wird abenteuerlich. Seit 14 Uhr ist ja die Love Parade (https://ravetheplanet.de) in der Innenstadt und so kann der Bus nicht den üblichen Weg fahren. Die Busfahrerin ist enorm gechillt und nett für die Situation, erklärt zwischendurch noch, welche Sehenswürdigkeiten man gerade passiert, hält außerplanmäßig, um Leute ein- und aussteigen zu lassen und gibt Tipps, wie man doch noch rechtzeitig zur Bahn (Bahnhof Zoo) kommt. Und versucht dazwischen immer wieder herauszufinden, wo sie überhaupt langfahren darf, da die eigentliche Buslinie durch die Love Parade gesperrt ist. Und die Busfahrer keine Informationen bekommen („Wir haben gerade neues Führungspersonal . Das hat man davon. „). Dann ist die Fahrt an einer U-Bahn-Haltestelle vorbei und wir müssen anders weiter fahren. Die erlaubte Tagesfahrtzeit ist vorbei, die Dame muss Schluss machen. Und bekommt Applaus von den Fahrgästen.

Am Bahnhof Zoo essen wir bei Curry 36 eine Currywurst. Die überzeugt uns nicht. Kaum Curry (zumindest nicht scharf für Tamara), es ist mehr eine Tomatensauce mit ein bisschen Currypulver drüber. Da hatten wir mehr erwartet. Wir bummeln zur Kaiser Wilhelm Gedächtnis Kirche und dem Breitscheidplatz. Dort hat die Love Parade begonnen, jetzt ist noch einanderes Festival dort. Keine Techno-Musik. Da es schon spät ist, versuchen wir wieder die Linie 100 zum Alex zu bekommen. Das klappt erstaunlich gut, der Busfahrer weiß auch, welche Umleitung er fahren muss. Und der Bus ist natürlich mit Partygästen und allen möglichen verrückten Leuten voll, die man so nur in einer Großstadt nachts trifft. Ode auch nur zu Love Parade Zeiten. Wir kommen gut wieder zurück. Und Mitternacht ist es auch schon. Sarah schläft.